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Informationen, Evidenz und Wissen
Wissen entsteht im Kopf, man findet es nur dann in Büchern - oder auf Internetseiten, in Datenbanken etc. - wenn die aufgenommenen Informationen im Kopf eines Menschen verarbeitet wurden - zu Wissen.
Wissen ist also nichts Absolutes oder immer Wahres.
Wissen, das auf Des-Information und Falschinformation aufbaut, führt zu Fehlurteilen und Fehlhandlungen.
Das beste mögliche Wissen in der Medizin kann nur durch Anwendung der besten verfügbaren Methoden und der besten verfügbaren wissenschaftlichen Belege = Evidenzen gewonnen werden.
Einer der Wege hierzu ist die Anwendung der Evidenz basierten Medizin.
Die Idee der Evidenz basierten Medizin ist schon alt - nur nannten die ersten Ärzte, die etwas derartiges forderten, das anders; so forderte ein Herr Eugen Bleuler, die Ärzte sollten Schluss machen mit ihrer "Undiszipliniertheit" und ihrem "Autismus" - im Jahre 1919.
Die Triebkraft hinter der Evidenz basierten Medizin ist die Variabilität in der medizinischen Praxis.
In manchen Gegenden Amerikas werden mehr als fünfmal so viele Gallensteine operiert wie in umliegenden Gemeinden - obwohl die Menschen, die dort leben, sich biologisch bzw. medizinisch eigentlich gar nicht unterscheiden.
Geht ein Patient in Deutschland wegen starker Rückenschmerzen zum Arzt, so kann er folgende Empfehlungen bzw. Therapien / Verordnungen bekommen:
- intramuskuläre Injektion eines Antirheumatikums, Arbeitsunfähigkeit und Bettruhe
- Verordnung eines oralen Antirheumatikums, Arbeitsunfähigkeit und Bettruhe
- Verordnung eines oralen Muskelrelaxans, Arbeitsunfähigkeit und Bettruhe
- Verordnung eine muskelrelaxierenden Mittels zum Einreiben, Arbeitsunfähigkeit und Bettruhe
- Verordnung eine durchblutungsfördernden Mittels zum Einreiben, Arbeitsunfähigkeit und Bettruhe
- Verordnung eine entzündungshemmenden Mittels zum Einreiben, Arbeitsunfähigkeit und Bettruhe
- Arbeitsunfähigkeit und Krankengymnastik
- Krankengymnastik ohne Arbeitsunfähigkeit
- Krankengymnastik und Rückenschule
- Rückenschule ohne weitere Massnahmen
- eine Broschüre über Rückenschule, mündliche Empfehlungen zum "Rücken-gesunden Verhalten"
- beliebige Kombinationen der genannten Maßnahmen inklusive der Ermahnung, sich auf keinen Fall ins Bett zu legen
- ...
Diese durchaus divergierenden ärztlichen Verhaltensweisen beziehen sich nicht nur auf eine eng umschriebene Rückenschmerz-Charakteristik - vom leichten bis zum schwersten, schier unerträglichen Rückenschmerz werden alle diese Maßnahmen, scheinbar regellos, verordnet bzw. empfohlen.
Eine nachvollziehbare Richtschnur, eine Leitlinie, an die man sich halten könnte, scheint es nicht zu geben.
Dieses Phänomen veranlasste Anfang der neunziger Jahre eine Gruppe von Ärzten, sich zusammenzuschließen, um eine Lösung für dieses Problem zu finden.
Im Gedenken an Archibald Cochrane, einen streitbaren Epidemiologen, der sich durch das kritische Hinterfragen medizinischer "Glaubenssätze" einen Namen gemacht hatte, nannten sich diese Ärzte die "Cochrane-Group". Anführer dieser Gruppe waren in England Sir Iain Chalmers und in Amerika Kay Dickersin.
Eine kurze Geschichte der Cochrane Group sowie der aus ihr hervorgegangenen Cochrane Collabaration findet sich hier (Achtung: Es muss das PDF des Artikels gewählt werden, da nur die PDF-Version frei verfügbar ist!).
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